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Kirche

Schätze

Hinter dicken Mauern bewahrt unsere Gemeinde Kostbarkeiten aus acht Jahrhunderten: Fresken, Handschriften, sakrale Geräte und einmalige Kunstwerke. Zeugen gelebten Glaubens, die bis heute erhalten sind.

1520 & 1879

Die Altäre

Vier Altäre aus acht Jahrhunderten sächsischer Kirchengeschichte haben in Heltau ihre Heimat gefunden. Der spätgotische Braller Altar von 1520 ist seit 1999 Hauptaltar im Chor und zeigt im goldenen Schrein die „Braller Madonna". Der neugotische Heltauer Altar von 1879 diente 120 Jahre als Hauptaltar und steht heute auf der Südempore. Aus den aufgelösten sächsischen Gemeinden Wassid und Werd kamen zwei weitere Altäre nach Heltau. Gemeinsam erzählen sie von Glaube, Handwerk und dem Schicksal siebenbürgischer Dörfer.

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13. Jahrhundert

Die Fresken

Ein Ausmalungsprogramm, das einst fast den gesamten Innenraum der romanischen Basilika bedeckte: Apostelgalerie in der Apsis, Prophetenfiguren und die vier apokalyptischen Reiter im Chor, Szenen aus dem Leben Christi, ein monumentales Jüngstes Gericht im Hauptschiff und, als bedeutendstes Einzelbild, der Heltauer Gnadenstuhl an der südlichen Obergadenwand.

Das ikonographische Programm

Die Wand der Hauptapsis trug eine Apostelgalerie, in der darüberliegenden Halbkuppel war vermutlich eine Maiestas Domini dargestellt. In der Laibung des östlichen Chorfensters erscheinen die heilige Walburga, Schutzpatronin der Kirche, und der Pfarrer Peter im Messgewand, beide durch Inschriften benannt: „Walburgis Virgo" und „Petrus Plebanus". Auf dem Gurtbogen zur Apsis sind sechs Propheten, auf dem Gewölbe des Chorquadrats die vier apokalyptischen Reiter der Offenbarung gemalt. An den Chorwänden folgten in drei Registern Szenen aus dem Leben Christi: an der Nordwand Anbetung der Könige, Darbringung im Tempel, Kreuzigung, Kreuzabnahme, Grablegung und Auferstehung; an der Südwand Einzug in Jerusalem und Letztes Abendmahl.

Im Hauptschiff nahm ein monumentales Jüngstes Gericht die Nordwand ein, mit dem thronenden Richterchristus in der Mandorla, umgeben von Aposteln und Engeln, darunter die aus den Gräbern Auferstehenden. An der südlichen Obergadenwand ist der Gnadenstuhl zu sehen, ergänzt durch die allegorischen Figuren von Ecclesia und Synagoga, sowie eine Szene mit einem Reiterheiligen. Kleinere Bildfelder an den Pfeilern zeigen weitere Passions- und Kindheitsszenen Christi, alles gerahmt von Ornamentbändern mit Pflanzenmotiven.

Verborgen, wiederentdeckt, restauriert

Jahrhundertelang lagen die Malereien unter Tünche verborgen. Ihre Freilegung zog sich über mehr als hundert Jahre:

  • 1905–1909: Teilfreilegung an Nord- und Südwand des Chorquadrats durch Fritz Balthes, anschließend wieder übertüncht.
  • 1984–1988: Freilegung in der Laibung des östlichen Chorfensters, Bauforschung durch Vasile Sotelecan.
  • 1995–1999: erneute Freilegung an der Nordwand des Chorquadrats.
  • 2006: Konservierung und Restaurierung durch Kiss Lóránd.
  • 2019–2022: gemälderestauratorische Untersuchung des gesamten Innenraums, Freilegung aller bemalten Flächen und Restaurierung der Gnadenstuhl-Komposition, wiederum durch Kiss Lóránd.

Das Ensemble zählt zu den frühesten Zeugnissen siebenbürgischer Wandmalerei und weist unter den erhaltenen Ausmalungen der ersten Periode in den romanischen Kirchen des Sächsischen Reises die größte Fläche auf. Lange datierte man die Malereien ins 14. Jahrhundert; Restaurator Kiss Lóránd argumentiert inzwischen für das 13. Jahrhundert und verweist auf die Verwandtschaft der Gnadenstuhl-Komposition mit einer Miniatur im St.-Elisabeth-Psalter (1201–1208). Die gotischen Majuskelinschriften sprechen für eine Entstehung nach der Mitte des 13. Jahrhunderts; die genaue Datierung bedarf weiterer Forschung.

Der Heltauer Gnadenstuhl

Das eindrucksvollste Bild zeigt die Dreieinigkeit als „Gnadenstuhl": Gott Vater sitzt auf seinem Thron und hält vor seiner Brust das Kreuz mit dem Gekreuzigten, über dem Haupt schwebt die Taube als Symbol des Heiligen Geistes. Eine dreifach gestufte Mandorla umschließt die Szene als Heiligenschein; rechts unten durchbricht eine Gestalt mit Stab und drei mythischen Tieren den Rahmen, oben links reicht ein Engel mit der Hand hindurch. Der obere Teil der Freske, darunter ein Teil des Hauptes Gottes, ging bei der späteren Erhöhung des Hauptschiffs verloren, als ein Rundbogen genau dort endete, ein Hinweis, der zur Datierung der Malerei beiträgt.

Die Bildidee gehört zu den frühesten Darstellungen dieses Typs im Heiligen Römischen Reich: Vorbild war vermutlich der um 1250 entstandene Soester Altaraufsatz (heute in Berlin). Verwandte Beispiele finden sich im Evangeliar von Perpignan (12. Jh.), bei Masaccios Fresko in Santa Maria Novella, Florenz (1427), und auf Dürers Allerheiligenbild für Nürnberg (1511). Eine Besonderheit der Heltauer Fassung: Die Taube schwebt nicht, wie sonst üblich, über dem Haupt Gottes oder Christi, sondern über dem Herzen Jesu, ein eigenständiger Zug, der den Heiligen Geist als Geist der Liebe und Vergebung deutet.

Für die Gemeinde, die den Mongoleneinfall überlebt hatte, war das Bild Trost und Lehre zugleich, „Bibel der Armen" für die des Lesens Unkundigen, gemalt in der für Fresken typischen Technik: mit Kohle vorgezeichnete Konturen, ausgeführt in gelbem Ocker, schwarzer Kohle und roter Erde, die sich in den frischen Kalkputz einbrannten.

Historisch

Die Orgeln

Das Herzstück unserer Kirchenmusik, historisches Pfeifenwerk, über Generationen gepflegt. Die Kirchenburg beherbergt zwei historische Instrumente: die große Wegenstein-Orgel von 1944 auf der Westempore und die kleine Barockorgel von Johannes Hahn Junior, ein einzigartiges Ensemble siebenbürgischer Orgelkunst. Die Wegenstein-Orgel entstand als Ersatz für die Vorgängerorgel, die 1942 abbrannte, und wurde 2014/15 durch den Orgelbauer Bors László umfassend repariert. Beide Instrumente sind in spielbarem Zustand und erklingen bis heute in Gottesdiensten und Konzerten. Aktuell laufen weitere Restaurierungsarbeiten, um ihren vollen Klang zu bewahren.

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12. Jahrhundert

Heltauer Bildstein

In der südlichen Vorhalle befindet sich ein sargförmiger Grabstein mit eingemeißeltem Andreaskreuz und stilisierter Gesichtsmaske. Die archaische Gestaltung ähnelt Funden aus dem mittelalterlichen Rheinland, einer der ältesten erhaltenen Grabsteine Siebenbürgens.

Gefunden wurde der Stein in der Zwischenkriegszeit beim Ausheben der Fundamente der Gromenschen Seidenweberei, auf dem Gelände des 1862 aufgelassenen Friedhofs, in etwa einem Meter Tiefe. Er ist 1,72 m lang und am Kopfende 0,63 m breit. Auf der Oberseite ist in Flachrelief ein Kreuz mit kurzen Querbalken und ausladenden, an den Rändern eingewölbten Längsarmen ausgehauen; in der oberen Wölbung sitzt eine schlichte Gesichtsmaske.

Der Stein ist verwandt mit einer Grabplatte in Faha (Kreis Merzig-Wadern, zwischen Mosel und Saar) und einer weiteren in Irschen (Kärnten) — ein Hinweis auf die Urheimat der späteren Heltauer Sachsen in diesem Gebiet, 12.–13. Jahrhundert.

Wird im Rahmen der Museumsführungen fachkundig erläutert.

12. Jahrhundert

Das romanische Vortragekreuz
„Einwandererkreuz"

Das aus dem 12. Jahrhundert stammende Prozessionskreuz gilt als das älteste erhaltene Kunstobjekt der Siebenbürger Sachsen. Holzkern mit getriebenen Kupferplatten, grünlicher Patina, dreilappigen Kreuzarmen mit blauen Halbedelsteinen und einer Christusdarstellung mit venezianischen und byzantinischen Einflüssen.

Das Kreuz wurde 2016 gestohlen und 2021 durch internationale Zusammenarbeit unversehrt sichergestellt. Aus Sicherheitsgründen wird es heute im Landeskirchlichen Museum im Teusch-Haus in Hermannstadt aufbewahrt.

1911 wurde bei einer Untersuchung der ältesten Kapelle der Kirchenburg eine Krypta mit Gebeinen entdeckt. Darunter fand man das stark beschädigte Kreuz — man hätte es beinahe weggeworfen, hätte der Kunsthistoriker Dr. Viktor Roth es nicht gerettet. Über einen Holzkern war dünnes Kupferblech getrieben: vorne der Gekreuzigte mit Heiligenschein, hinten das Lamm Gottes mit Siegesfahne, ursprünglich besetzt mit 32 farbigen Glasperlen.

Jahrzehntelang lag es frei auf dem Altar der Kirche, bewacht nur durch eine Alarmanlage. 1990 wurde es mit Hilfe von Bischof Joachim Heubach und des deutschen Botschafters Dr. Klaus Terfloth zur Restaurierung nach Deutschland gebracht; die Restauratoren datierten es auf die Mitte des 11. Jahrhunderts — damit gilt es als das älteste kunsthistorische Objekt der siebenbürgisch-sächsischen Kirche.

Standort: Landeskirchliches Museum · Teusch-Haus · Hermannstadt (Sibiu)
14. Jahrhundert

Mittelalterliche Handschriften

Das Heltauer Missale, ein reich illuminiertes Messbuch, das zu den wertvollsten liturgischen Handschriften Siebenbürgens gehört.

Das Heltauer Missale (Codex Heltensis) ist ein gut erhaltener Pergamentband in gotischer Minuskel, zweispaltig beschrieben mit 28 Zeilen pro Seite und blau bzw. rot ausgeführten Initialen. Ort, Zeit der Entstehung und der Name des Schreibers sind unbekannt.

Die Vorlage, nach der es entstand, war vom 9. bis 11. Jahrhundert im Raum Köln-Aachen-Lüttich in Gebrauch und geht letztlich auf Alkuin, den Lehrer und Ratgeber Karls des Großen, zurück. Zu einem vollständigen Messbuch wurde es wohl erst in Siebenbürgen ausgestaltet, nachdem die Siedler um die Mitte des 12. Jahrhunderts aus dem Magdeburgischen weiterzogen.

1792

Der Kirchenschatz

In der Apsis des südlichen Seitenschiffs verbarg sich die sogenannte Schatzkammer, ein halbrunder Raum hinter einer festen Quermauer, erreichbar nur über eine getarnte Tür: erst musste das Kirchengestühl beiseitegeräumt, dann eine geheime Feder gedrückt werden. Das Geheimnis um den darin vergrabenen Münzschatz wurde über Generationen von Kirchenvater zu Kirchenvater weitergegeben.

Als 1792 Geld für die Reparatur des Turmdachs fehlte, lüftete der ältere Kirchenvater Peter Gündisch das Geheimnis: Am 5. Mai 1792 hoben Pfarrer, Kirchenväter und Altschaft aus der Erde einen Topf mit 631 Dukaten und 5 Souverain d'or. Am 4. Juni folgte ein zweiter Topf, insgesamt kamen 5.591 Gulden 40 Denar zusammen, genug, um Turmbau und eine neue Orgel zu finanzieren. Die Schatzkammer wurde danach noch zweimal geöffnet, 1811 und 1821, ehe man beschloss, die verbliebenen Münzen 1847 endgültig zu verkaufen.

Neben dem Münzschatz bewahrte die Kammer über Jahrhunderte auch kostbare liturgische Gefäße, Monstranzen, Kelche und Patenen aus vorreformatorischer Zeit, sowie ein silbernes Kreuz. Der Volksglaube schützte den Schatz zusätzlich: Wer sich daran vergreife, könne nicht sterben, ohne zuvor seine Tat gebeichtet zu haben.

Seit 1916 befindet sich der Kirchenschatz als Dauerleihgabe im Brukenthal-Museum in Hermannstadt.

1797

Der Blitzableiter

Der Kirchturm wurde wiederholt vom Blitz getroffen, zuletzt am 20. Mai 1795 mit erheblichen Schäden. Aus dem Kirchenschatz wurden damals Mittel für den Wiederaufbau bereitgestellt, unter anderem auch für die Anschaffung eines Blitzableiters.

1797 erhielt Heltau den ersten Blitzableiter östlich von Wien innerhalb Europas, eine bemerkenswert frühe Anwendung dieser noch jungen Technik in der Region. Seither blieb der Turm von weiteren Blitzeinschlägen verschont.

Sehen Sie die Schätze selbst

Viele dieser Kostbarkeiten können Sie bei einer Führung aus der Nähe betrachten. Wir erzählen Ihnen gern die Geschichte dahinter.

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